Eine Revolution in der Requisiten- und Filmindustrie?

Was Filmemacher und Requisiten-Hersteller über 3D-Druck wissen müssen

Vom ersten Tag an hat die Filmindustrie versucht, Filme zu produzieren, in denen alles so realistisch wie möglich aussieht. Filmemacher und Regisseure haben seit Anfang an eine Kombination aus verschiedenen Kameratricks, Spezialeffekten aber auch Requisiten benutzt, um das Publikum glauben zu lassen, dass was sie auf der Leinwand sehen real ist.

In den vergangenen Jahren hat die 3D-Druck- und Scan-Technologie, auch bekannt als additive Fertigung, eine Revolution in der Filmindustrie ausgelöst. 3D-Scannen und - Druck wurde bei der Produktion von verschiedenen Filmen angewendet, darunter zum Beispiel: Skyfall, Star Wars: The Force Awakens, Guardians of the Galaxy, und Thor: The Dark World. Requisiten wurden in diesen Filmen in vielerlei Hinsicht verwendet und es gibt mehrere Gründe, warum Produzenten zunehmend Requisiten in 3D drucken lassen. 

Einzelne Vorteile bei der Verwendung von 3D-Druck in der Requisitenherstellung  sind die hohe Qualität und Auflösung, die Skalierbarkeit und Komplexität, die schnellen und effizienten Abläufen, sowie die verbesserte Personalisierung oder Design-Änderungen, die ohne viel Aufwand erreicht werden können. Glenn Hetrick, ein Experte in der Branche und CEO von Alchemy Studios, sagt, dass 3D-Druck ihm geholfen hat, Requisiten zu kreieren, die weit realistischer sind als es mit traditionellen Methoden möglich gewesen wäre. Hetrick sagt, dass „viele Tricks, auf die wir seit Jahrzehnten zurückgegriffen haben, um Kreaturen zum Leben zu bringen, nicht mehr funktionieren, weil man die Ränder sehen kann, man kann sehen, dass sie aus Schaumstoff und nicht Haut hergestellt wurden [...], 3D-Design und Druck machen alle Requisiten viel einfacher und mühelos" (2015.

Ein Kollege von Hetrick fügt hinzu: „Details, die früher eine Ewigkeit gedauert hätten, kann ich jetzt buchstäblich in Minuten am Computer mit einer Präzision und Auflösung erzeugen, die ich niemals mit der Hand erreichen würde. Mit der Entwicklung der Technologie wurden Stift und Papier zum Eingabestift und Bildschirm. Und Ton ist jetzt digitaler Ton, den du im Computer modellieren kannst“ (Neville Page, 2015).

„Schnelle Durchlaufzeiten sind in dieser Branche unverzichtbar und mit der Fähigkeit, digitale Bibliotheken zu erstellen, ist die Lagerung von Requisiten und Modellen kein Problem mehr. Wenn Original-Requisiten beschädigt werden oder nicht gefunden werden können, kann man diese mit einer 3D-gedruckten Version direkt am Set innerhalb von Tagen ersetzen“, sagt Phil O'Connell, Leiter für 3D-Druckservices bei voxeljet UK Ltd.

Ein aktuelles Beispiel ist die Produktion eines ikonischen Requisits, das für eine britische Komödie, Red Dwarf, verwendet wird. Phil O'Connell sagt, dass „die Red Dwarf-Crew die „Starbug" in 3D gedruckt hatte, um das ursprüngliche Raumschiffmodell vor Beschädigungen am Set zu schützen. Das Originalschiff wurde innerhalb einer Woche gescannt, in 3D gedruckt, mit Epoxidharz behandelt und lackiert. Die Crew gewann so einen Vorsprung von sechs Wochen im Vergleich zu den traditionellen Reproduktionsmethoden. Zusätzlich waren die Produktionskosten deutlich niedriger.“

Das folgende Video zeigt nicht nur, wie die Starbug nachgebaut wurde, sondern veranschaulicht auch den gesamten Herstellungsprozess des Requisits, vom Scannen über das Drucken bis hin zur Fertigstellung: 



Darüber hinaus hatte das Red Dwarf-Produktionsteam über die Jahre viel Erfolg mit den Modellaufnahmen und sie benutzen immer noch dieselbe Methode mit computergenerierten Bildern (CGI).

O´Connell: „Im Allgemeinen sind Elemente, wie Feuer, Wasser, Wind und Eis sehr schwierig digital auf dem Bildschirm zu erstellen. Einer unserer ersten Erfolge war eine Bond-Szene, in der ein Aston Martin DB5 angeschossen wurde, bis er explodierte. Durch das Drucken und Sprengen der Miniatur wurde viel Geld beim digitalen Rendering gespart und natürlich blieb der echte DB5 unbeschadet. Des Weiteren haben wir auch ein 1:3-Modell eines Hubschraubers gedruckt, der in ein Haus stürzte und explodierte."   

voxeljet hat an vielen Projekten im Filmbereich mitgearbeitet, bei denen Requisiten, Prototypen und andere Modelle entwickelt und gedruckt wurden. Obwohl es ein paar Beispiele dafür gibt, wie 3D-Druck der Filmindustrie geholfen hat, kann man nicht genau sagen, wie viele Produzenten sich dieser Technologie bedienen. James Reeves, Geschäftsführer von voxeljet UK, betont, dass die Filmindustrie „eine sehr verschwiegene Industrie“ ist und dass viele Projekte aufgrund von Vertraulichkeitsauflagen nicht geteilt werden können. Trotzdem sagt Reeves: „Wir wissen, dass diese [Industrie] wächst und dass 3D-Druck Zeit einspart und viele Vorteile in Bezug auf Kosten und detailgetreue Nachbildungen gegenüber traditionellen Methoden hat. Mit der ständig wachsenden Tendenz zu digitalen Requisiten, ist es sinnvoll, einen digitalen Herstellungsprozess zu verwenden, um eine exakte Nachbildung zu produzieren.“ Reeves erwähnte, dass „es im Laufe der Jahre Hunderte Projekte gibt“ und dass „bis zu diesem Jahr die überwiegende Mehrheit der Verkäufe für voxeljet UK in der Filmindustrie getätigt wurden, während sie sich in den Pinewood Studios in London befanden“.

3D-Druck spart nicht nur Zeit beim Erstellen eines einzelnen oder mehrerer Requisiten, sondern auch bei der Gesamtentwicklung des endgültigen Designs für ein Requisit. Früher musste für jede Veränderung, die an der Gestaltung eines Modells vorgenommen wurde, ein neues Modell mit den vereinbarten Änderungen gestaltet und hergestellt werden. Jetzt können mit Hilfe des 3D-Druckens Änderungen direkt an der digitalen Datei eines Modells vorgenommen werden.

Innerhalb eines Druckjobs können heutzutage verschiedene Versionen eines einzelnen Requisits über Nacht gedruckt werden; von Konzeptmodellen bis hin zu skalierten Modellen und Requisiten in voller Größe. Dank dieser schnellen Durchlaufzeit ist die Kommunikation mit den Kunden reaktionsschnell und es wird Zeit bei der Entwicklung von kundenspezifischen Endversionen von Modellen und Requisiten gespart. (Terdiman, 2012). 

3D-Druck in der Kunst- & Unterhaltungsindustrie

Da sich der 3D-Druck in der Filmindustrie bereits als sehr innovativ und effektiv erwiesen hat, hat diese Technologie das allgemeine Kunst- und Unterhaltungsgeschäft in ähnlicher Weise modernisiert. Das Erstellen von Skulpturen wurde zum Beispiel mit dem 3D-Druck revolutioniert. Bei der Nachbildung eines Modells oder einer Skulptur eines Objekts oder einer Person mit Hilfe von nur einem Bild, wird der Künstler oft vor eine Herausforderung gestellt. Die Nachbildung eines 3,66 Meter langen Velociraptor-Dinosaurierskeletts ist ein perfektes Beispiel dafür, wie effektiv und sinnvoll 3D-Druck ist und wie einfach es ist, Modelle zu produzieren, vor allem in größerem Maßstab. Das vorhandene Skelett wurde 3D-gescannt, um eine für den Druck benötigte digitale Datei zu erhalten. Nach dem Scannen wurden die Knochen gedruckt, mit Epoxidharz behandelt, lackiert und montiert. Innerhalb von nur acht Tagen wurde eine präzise und hochwertige Kopie des Skeletts (Maßstab 1:1) erstellt. Das bestätigt die Schnelligkeit und Genauigkeit dieser Technologie.

Weiteres Potenzial für die Filmindustrie und andere Branchen

Phil O'Connell beobachtet seit einiger Zeit den Trend der Anwendung der 3D-Drucktechnologie in der Unterhaltungsindustrie. Er argumentiert, dass „Anwendungen aus der Welt der Kunst, Museen und Archäologie, Merchandising bis hin zu Werbespots und Shop-Designs immer häufiger in unserem 3D-Service-Center angefragt werden. Der Grund ist offensichtlich, es gibt keine einfachere Methode für die Wiedergabe von seltenen Fundstücken und für die Rekonstruktion oder Erzeugung von historischen Vorlagen, Statuen oder Skeletten als den 3D-Druck. 3D-Scannen ist eine nicht-invasive Methode zur digitalen Reproduktion von Objekten. Unsere 3D-Drucker sind leistungsstark und groß genug, um sich spannenden Projekten in fast jeder Größe zu stellen. Wir haben viele Maquetten für Set- und Lichtplanung und Set-Details gedruckt - mal sehen, wie lange es dauert, ein ganzes Filmset zu drucken“. Darüber hinaus "können unsere 3D-Drucke auch in einer Reihe von Materialien gegossen werden, z. B. in einer zweiteiligen Silikonform mit einer Glasfaserummantelung", die oftmals zur Wiederherstellung eines Teils der Körper verwendet wird. 

Wie oben dargestellt, gibt es mehrere Gründe, warum die Produktion von Requisiten durch additive Fertigung eine zeitsparende und kostengünstige Alternative sein kann. In Bezug auf Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Komplexität, Präzision und Nachbildung, sowie Feindarstellung bietet der 3D-Druck Vorteile gegenüber herkömmlichen Produktionsmethoden. Es ist immer faszinierend zu sehen, wie sich die Filmindustrie im Laufe der Zeit entwickelt, um faszinierende Bilder zu schaffen. Aus diesem Grund darf man nicht vergessen, dass dies ohne die Arbeit von qualifizierten und talentierten Modellbauern, Bildhauern und 3D-Druckern nicht möglich wäre. Obwohl die Requisiten sich wenig verändern, ändern sich die Werkzeuge, die verwendet werden, um sie zu schaffen.

Weitere Videos

Quellen

Hetrick, Glenn: (Matisons, M.) 3D printing helps Hollywood special effects artists, Alchemy Studios, make better scary monsters and dead bodies (2015), in: 3dprint.com/103751/3d-printing-helps-hollywood-special-effects-artists-alchemy-studios-make-better-scary-monsters-and-dead-bodies/ (Abgerufen am 19.12.2016) 

 

O’hara, H. (2015). The future of film: All film props will be 3D printed. Empire Online. Aus: http://www.empireonline.com/movies/features/3d-movie-prop-printing/

 

Page, Neville: (Matisons, M.) 3D printing helps Hollywood special effects artists,  Alchemy Studios, make better scary monsters and dead bodies (2015), in: 3dprint.com/103751/3d-printing-helps-hollywood-special-effects-artists-alchemy studios-make-better-scary-monsters-and-dead-bodies/(Abgerufen am 19.12.2016)

 

Terdiman, D. (2012). Why Hollywood loves 3D printing. CNET. Aus: https://www.cnet.com/news/why-hollywood-loves-3d-printing/  (Abgerufen am 19.12.2016)

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